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Welcome , 2019

WELCOME, 2019

Der Jahreswechsel 2018/19 war der emotionalste, den meine beste Hälfte und ich je hatten. Wie ich ja bereits beim letzten male erzählt haben so viele persönliche Schicksalsschläge das letzte Jahr überschattet, die auch Einfluss auf die Veröffentlicung meines Bildbandes hatten,  das wir uns tatsächlich danach sehnten, das 2018 zu Ende ging, um mit neuer Kraft 2019 entgegenzutreten.


Zum Ende des Jahres habe ich abgenommen und das in zweierlei Hinsicht. Zum einen habe ich über die Weihnachtsfeiertage einige Kilo runterbekommen, was man wohl als bemerkenswerte Leistung ansehen kann, aufgrund der Tatsache das es gerade an den Feiertagen besonders gutes Essen gibt. Zum anderen habe ich mein persönliches Facebook abgespeckt. Ich habe sehr viele Seiten, denen ich bislang gefolgt bin „entliked“ und bin aus nahezu allen Facebook-Gruppen raus, insbesondere den Gruppen die der hiesigen „Foto-Szene“ angehören. Zugegeben hatte es mir immer Spaß gemacht Bilder in den Gruppen zu zeigen, Feedback zu bekommen und mal den ein oder anderen Beitrag zu bestimmten Themen zu schreiben. Allerdings hatte sich bei mir gerade so gegen Jahresende auch eine gewisse Social Media-Müdigkeit eingestellt und ich habe mir die dauernde Frage gestellt, welchen Sinn es macht in einer Gruppe, in der fast ausschließlich Fotografen und Modelle sind, seine Arbeiten zu zeigen. Man sollte mich da jetzt nicht missverstehen, da gibt es nichts verwerfliches oder falsches dran und es ist wirklich gut, dass es diese Gruppen gibt. In meinen Augen sind darin nur zusehends die Grenzen zwischen guter Fotografie und Selbstdarstellung verschwommen, so dass sich fast niemand mehr so richtig orientieren kann und mag. Ich fand mich jedenfalls mit der Art, wie ich fotografiere nicht mehr wieder und konnte mich auch nicht mehr mit dem identifizieren, was mir meine Timeline täglich präsentierte. So entschied ich mich aufzuräumen, Gruppen zu verlassen und meine „Gefällt mir“-Liste gründlich aufzuräumen, was im Übrigen zu großer Verwirrung des Algorithmus meiner Timeline führte. Scheinbar folge ich aber selbst einem gewissen Algorithmus, denn vor genau drei Jahren hatte ich schonmal diese innere Unzufriedenheit gehabt, die zu dem Umbruch führte, puristischer zu denken.


Letztendlich rührte der Entschluss daher, das ich mich wieder mehr meiner eigenen Präsenz im Netz widmen wollte, für die ich ja schließlich auch meine Web-Seite erstellt hatte, die ich in diesem Jahr zeitweise auch sehr stiefmütterlich behandelt hatte, während ich auf meiner Facebook-Seite regelmäßig Bilder postete. Dies soll sich nun 2019 ändern und ich werde Facebook und auch Instagram zusehends mehr als Pinnwand und weniger als Ausstellungsfläche nutzen. Außerdem schließe ich ja eine Verlagerung auf die Print-Medien nicht aus, dafür muss ich allerdings erstmal schauen, auf wieviel Interesse mein Bildband stoßen wird, da ich in dem Falle gerne weiterhin selbst publizieren würde. Ebenso könnte ich mir auch mal eine Ausstellung mit meinen Bildern vorstellen. Aber das sind erstmal nur grobe Pläne, die lediglich in meinem Kopf geschmiedet sind und an dessen Umsetzung ich noch nicht weiter drüber nachgedacht habe. Ich denke aber, wenn ich es Anfang des Jahres schaffe meinen Bildband zu veröffentlichen, was nur noch von der Qualität des Drucks abhängig ist, sich dahingehend neue Türen öffnen könnten.

Es gab aber auch schon kritische Stimmen, die meinen Fortgang aus den FB-Gruppen damit kommentierten, das das doch irgendwie inkonsequent wäre, nur noch auf seine Web-Seite hinzuweisen, anstatt Bilder zu zeigen. Nun mag das in Bezug auf die sozialen Medien wohl richtig sein, aber ich habe nun mal nicht das Naturell eines „Social-Media“-Nerds, der stets darum bemüht ist seine Gefolgschaft mit Bilder zu füttern.


Davon abgesehen wäre es ja auch ziemlich dumm eine Plattform wie Facebook ganz hinter sich zu lassen, in der ich gute Kontakte knüpfen konnte und ganz tolle Menschen kennengelernt habe. Und würdeFacebook auch wirklich mal wieder genutzt, wie es eigentlich gedacht war, nämlich als SOZIALES NETZWERK in dem man sich untereinander hilft, austauscht oder sich gemeinsam organisiert und nicht als Kummerkasten oder um Falschmeldungen in Umlauf zu bringen, wäre es bestimmt weiterhin so beliebt. Ich befürchte aber, dass es spätestens in zwei Jahren nicht mehr den Status hat, den es heute noch hält, selbst wenn es keine Alternativen gibt.


Die Menschen und insbesondere die Foto-Szene hat immer mehr das Bedürfnis auf echte Kontakte, echte Diskussionen und echte Treffen bekommen. Das erklärt zumindest auch die vielen Meetings, die es in der letzten Zeit gab und sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Ich selbst habe ja auch im November damit begonnen mein Studio zu diesem Zweck zu nutzen und auch schon drei mehr oder weniger gut besuchte Meetings gehabt. Dies ist auch etwas, was ich in jedem Fall in diesem Jahr weiter fortsetzen möchte.

 

2018 gab es Kritik an meinen Bildern, sowie auch sehr viel Lob. Die Kritik bezog sich beispielsweise darauf, dass die abgebildeten Personen auf meinen Bildern „irgendwie alt" aussehen. Ich kann diese Kritik auf eine Art und Weise verstehen, denn schließlich retuschiere ich nur minimal meine Bilder. Dadurch behalten die Menschen Ihre Charakterzüge und alles was sie interessant macht. Da kann es durchaus passieren, das sie „alt aussehen", aber dafür sehen sie  eben auch „echt" aus. Und für mich zählt das mehr als die gefällige Fotografie, die viele andere betreiben.


Meist wird mit der Hilfe von Photo-Shop"modelliert", jede einzelne Pore "weichgezeichnet" und der Körper "behandelt" bis alles einen Eindruck von makelloser Schönheit erhalten hat und einer Norm entspricht, die der allgemeinen Gesellschaft gefallen soll. Erschreckend ist dabei die Tatsache, dass dies auch von der Gesellschaft zunehmend auf Akzeptanz und Gefallen stößt. Klingt verrückt, ist aber so. Und mit diesem Hintergrund wundert es mich eben nicht, das es vorkommen kann, das man mir vorwirft, das die Menschen, die ich fotografiere in deren Augen "alt aussehen"...aber selbst wenn es so wäre, ist Alt sein oder gar altern nichts wofür man sich schämen muss. Es ist etwas was zum Leben einfach dazu gehört , wovor wir uns zwar gern mal verschliessen möchten, aber letztendlich nicht drum rum kommen. Kurios ist, dass ich von den Menschen, die ich fotografiert habe dafür wiederum gelobt worden bin, das meine Bilder so "authentisch" wirken, eben weil sie weitgehendst ungestellt und unretouchiert sind. Und das ist es auch eigentlich was mir am Ende eines Shootings, wenn mein Modell die Bilder erhalten hat, am meisten bedeutet. Sich selbst wieder zu erkennen oder im besten Fall sogar sich neu entdeckt zu haben. Auch wenn ich mich jetzt mal ausführlicher erklärt habe, bringt mich eine Kritik wie die obige nicht aus dem Ruder. Ganz im Gegenteil, sie zeigt mir, das ich mich auf den richtigen Weg befinde. Weg von der oberflächlichen Fotografie, die uns nur eine Scheinwelt vorgaukelt zu „echter Fotografie" mit mehr Gefühl und vor allen Dingen Seele.


In diesem Sinne habe ich mich für 2019 dazu entschieden meiner einfachen und unspektakulären Arbeitsweise weiterhin treu zu bleiben, gegen den Strom zu schwimmen und das zu machen, wozu ich Lust habe und nicht das was man von mir erwartet.

Was man allerdings erwarten kann und ich hoffe, dass ich weiterhin die Zeit dafür finde, gelegentlich Artikel wie diesen in meinem Blog zu schreiben. Natürlich machen das viele andere Fotografen auch und womöglich auch besser als ich, aber grade in der heutigen Zeit ist es ein sehr spannendes und umfassendes Thema geworden. Es kann sich ja praktisch jeder, der sich eine Digitalkamera gekauft hat, Fotograf nennen, aber insbesondere in der People-Fotografie gibt es viel zu lernen und zu begreifen. Bücher, aber auch Blog-Artikel, die ich stundenlang geradezu verschlungen habe, waren mir dabei stets eine große Hilfe. Und nun möchte ich eigentlich nicht mehr, als auch meinen Beitrag dazu leisten und darüber schreiben, was mich an der Fotografie bewegt, was es so faszinierend macht und den ein oder anderen Ratschlag geben. Ich halte das nur für fair, das weiterzugeben, was ich mir angeeignet habe oder andere erfahrene Fotografen mir mit auf dem Weg gegeben haben vund es auch immer noch tun, denn man lernt ja bekanntlich nie aus. Und um das ebenso in der Praxis umzusetzen, habe ich vor vermehrt in diesem Jahr Coachings und Workshops anzubieten. Zwei Coachings im Januar sind schon gebucht und ein Workshop Ende Februar, Anfang März bereite ich gerade vor und ich freue mich auch schon sehr auf diese Projekte.


Ein anderes Thema auf meinem Blog werden Foto-Serien sein. Ich möchte nicht mehr nur noch einzelne Bilder eines Shootings auf Facebook zeigen, sondern ganze Serien. Einzelne Bilder können zwar eine Person porträtieren, ganze Serien können darüber hinaus aber viel mehr vermitteln und vielleicht auch die ein oder andere Geschichte erzählen. Da ich noch genügend unveröffentlichte Bilder in meinen Archiven habe, geht mir da der Content bestimmt nicht so schnell aus. Trotz der vielen privaten Schicksalsschläge habe ich 2018 tatsächlich mehr fotografiert, als die Jahre zuvor und selbst wenn ich die ein oder andere Foto-Serie des letzten Jahres veröffentliche, ist immer noch nicht alles gezeigt worden, was mich zuweilen selbst erstaunt. Aber dazu schreibe ich an anderer Stelle mehr, da dies zu Projekten führen würde, die schon seit geraumer Zeit laufen und über die ich lieber an anderer Stelle ausführlicher berichten möchte. Sowie auch ein anderes Projekt, für das es allerdings noch zu früh ist, etwas darüber zu schreiben.

 

 

 

 

Alles in allem werde ich meinen Fokus 2019 auf einige neue Dinge richten

und das wird es zu einem spannenden Jahr für mich machen. Wieviel ich

davon wirklich schaffe umzusetzen oder ob mir bei einigen Vorhaben der

Geduldsfaden reißt, wird sich zeigen.


In diesem Sinne wünsche ich allen anderen einen ebenso guten Start in

das neue Jahr und das Ihr ebenso bemüht seid Euren Vorsätzen für 2019

treu zu bleiben.

 

In diesem Sinne

Gehabt Euch wohl

 

Dirk

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Kommentare: 4
  • #1

    Jen (Dienstag, 01 Januar 2019 17:47)

    Lieber Dirk,
    Selten habe ich so einen interessanten und ehrlichen Beitrag gelesen,drum dafür ein riesiges Dankeschön! Das ihr dieses Jahr viele Schicksalsschläge erleiden musstet tut mir von Herzen leid und ich hoffe,das das neue Jahr viele spannende,tolle und einfach schöne Momente bereit hält. Ich bin gespannt auf deine kommenden Arbeiten und wünsch von Herzen alles gute.
    Alles Liebe Jen

  • #2

    Oliver Rindelaub (Dienstag, 01 Januar 2019 18:14)

    Hallo Dirk,
    ich bin ein großer Freund Deiner Fotografie und wünsche Dir, dass Du auf diesem Weg zufrieden und erfolgreich bist. Die Reduktion auf das Natürliche, Einfache ist allerdings auch gerade ein Trend. Ich befürchte, dass viele Fotografen das jetzt auch machen, weil es in ist.
    Ich hab nie verstanden, warum man seine Bilder in x facebook-Gruppen zeigen muss. Eine würde doch reichen, um zu diskutieren, oder? Alles andere ist - wie Du schreibst - Selbstdarstellung, da geht es nicht um Fotografie. Ich hab deshalb noch nie Bilder in den Gruppen gepostet und diskutiere nur in sehr wenigen.
    Lieber tausche ich mich persönlich aus. Daher finde ich Deine Studioabende klasse und werde bestimmt mal bei einem Deiner nächsten dabei sein. Ich such auch schon lange nicht mehr nach Modellen, sondern eher nach Fotograf/inn/en, mit denen man zusammen ein Projekt plant. Ausgehend vom Thema und den Bildideen finden sich dann immer Modelle, Designer, Visas, die mitmachen wollen. Das wär doch auch eine gute Vorgehensweise für Dich, oder?
    Auf jeden Fall viel Erfolg im Neuen Jahr und noch viele spannende Blogbeiträge,
    Oliver

    p.s.: Gibt's eigentlich na Abofunktion für Deinen Blog?

  • #3

    Dirk Schmidt (Mittwoch, 02 Januar 2019 13:16)

    Moin Namensvetter,

    vorab ein frohes Neues. Deine Gedanken kann ich gut teilen. Was die Art der Bearbeitung angeht, so bin ich voll bei dir. Dieses zu sehr Photogeshopte-Zeugs ist auch nicht meins. Ich möchte mein Model wiedererkennen und nicht eine völlig andere Frau in meinen Fotos sehen. Ein schönes Beispiel dazu sind die aktuellen Helene Fischer-Fotos von Peter Lindbergh. Fotografen finden die Ergebnisse klasse und der allgemeine Betrachter kriegt das kotzen. Man lese nur so manchen Kommentar auf der FB-Seite von Frau Fischer.

    Gerade Peter Lindbergh sagte mal in einer Pressekonferenz, dass er den Umgang mit Photoshop oft schon verantwortungslos findet. Er stellte die Frage, wie sich ein Model wohl fühlen muss, wenn ihre Fotos erst durch eine massive Bearbeitung gut ankommen?

    Was diese ganze Facebook-Gruppe angeht, so bin ich ebenfalls bei dir. Ich überlege selbst mich dort zu entfernen. Irgendwie bringen diese Gruppe eh nix. Ich kann auch diese immer gleiche Art von Fotos nicht mehr sehen. Es scheint als haben alle irgendwelche YouTube-Tutorials von Krolop & Gerst, Alexander Heinrichs oder sonst wem gesehen. Jeder scheint anschließend genauso vorzugehen. Ich sehe jedenfalls immer weniger Kollegen denen ich einen eigenen Stil zuordnen kann. Vieles wirkt so "Wischi-Waschi". Rein fotografisch nicht schlecht, aber kaum noch was besonderes zu sehen. Dazu verstärkt sich der Eindruck als würde kaum noch richtig gut fotografiert werden, sondern der Schwerpunkt mehr bei den Reglern irgendeinem Bearbeitungsprogramm liegen. Da werden Filter drüber geballert, weich gezeichnet, Lens-Flares nachträglich in Fotos gearbeitet u.s.w.

    Was das angeht so schaue ich mir lieber Fotos von Kollegen wie dir oder auch Oliver Rindelaub (Gruß an Olli) an. Zum Glück gibt es noch weitere topp Leute. Ich hoffe auch mal, dass man sich mal persönlich kennenlernt. Olli kenne ich ja bereits. Abgesehen von ihm auch mehrere andere klasse Mitstreiter.

    Dann mal frohes schaffen und das 2019 wesentlich besser wird. Rockige Grüße,
    Dirk.

  • #4

    Oliver (Dienstag, 08 Januar 2019 00:41)

    Uii, Dirk (Schmidt),
    großes Dankeschön für Dein Lob oben.
    Ich war übrigens der Schreiber vor Dir. Falls das nicht klar war �